Hofgeschichten



Ein harter Tag für Borstel


Ich habe mich heute morgen gleich gewundert, was die Bäuerin wohl nun wieder auf der Weide will. Bewaffnet mit eine Rolle Litze und vielen Weidepfählen konnte das nur eine neue Weide bedeuten. Und so war es dann auch. Munter schlug sie die Pfähle in den Boden zog die Litze hin und her und ich... Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt: Ich bin Borstel, ein wunderschöner Welsh Black Bulle. Nun ja, ich möchte mal einer werden. Vor 14 Tagen bin ich neun Monate alt geworden. Meinen Papa, einen Engländer habe ich nie kennengelernt... Meine Mama ist hier mit Tante Blessy die Chefin, nach der Bäuerin selbstverständlich.

Aber zurück... die Bäuerin zog also die Litze so hin und her und das hatte ich mit meinen fast 10 Monaten gelernt, nicht bummeln, immer vorne weg, dann ist man der Erste auf der neuen leckeren Weide. Ich also gleich hin, mein Kumpel Chogan kam auch gleich mit. Er dachte wohl dasselbe. Und schwub hat uns die Bäuerin auch gleich, ohne viel zögern, auf die neue Weide gelassen. Spätestens da hätte ich stutzig werden sollen und den Rückwärtsgang einlegen. Nun, der Zaun wurde hinter Chogan und mir wieder zu gemacht, sicherlich damit die anderen uns nix wegfressen. Ach die Bäuerin, sie denkt wirklich an alles. Mama, Tante Blessy und die anderen haben ganz schön neidisch dagestanden. Nun ein paar Stunden später habe ich begriffen. Tante Blessy und Mama sind nun bei den ganzen anderen Mädels. Angeblich bin ich nun groß genug für die Jungs WG. Dabei wäre ich lieber bei den Mädels. Doch dafür bin ich nun wieder zu klein, sagt die Bäuerin. Ok mit Chogan ist es auch ganz nett, wir haben die besten Schattenplätze, keiner drängelt uns von der Tränke weg und die ganze große Wiese nur für uns. Aber ein bisschen Milch wäre jetzt schon echt gut...

Ziegenverkauf Teil 1


Ein schwülwarmer Tag, kein Lüftchen regt sich, absolute Ruhe. Eine Ruhe, die schon in den Ohren weh tut. Kennt ihr das? Hier in unserem schönen Kollendorfe kann einem so etwas noch passieren.

Ich stehe auf der Weide, nur mit dem einen Gedanken beschäftigt, wie ich diesen fiesen Bremsen entkommen kann. Da, wieder eine im Anflug. Sie setzen sich ganz heimlich auf mein Fell, sie krabbeln nicht, wie die Fliegen, sie stechen gleich zu. Das tut weh. Ssssssssssssss.

Ich renne, meine Glocke zerreißt die Stille. Ich renne so schnell ich nur kann, ich sehe nicht nach links und nicht nach rechts, nur weg, weg von diesen Monstern. Der Rest meiner Ziegenfamilie tobt hinter mir her. Mist, ich habe eines dieser Löcher übersehen, die die blöden Bullen Borstel und Chogan hier gebuddelt haben. Ich verstauche mir den Fuß. Nun kann ich nur noch humpeln. Auch das noch. Aber die Bremsen sind weg. Auf meiner wilden Hatz bin ich an den Kühen vorbeigerast. Sicher haben sich die Bremsen neue Opfer gesucht. Wir sind sie los und trotteln wieder gemütlich über die Wiesen, zupfen hier mal ein Hälmchen, mal dort. Ach mal sehen, was Afra da gerade beschnuppert, vielleicht könnte mir das auch schmecken. Zwischendurch muss ich mal Adele einen kleinen Schubs geben, weil sie wohl den gleichen Gedanken hat. Aber mein Bein schmerzt doch zusehends und so bin ich ganz froh, als die Bäuerin über die Weide gestapft kommt und uns erklärt: "Mädels, es ist nun Zeit in den Stall zu kommen. Natürlich fällt ihr mein Gehumpel auch gleich auf und sie untersucht mich sofort. Sie sagt: "Na Amy, muss ich dir wohl mal die Klauen schneiden, arme Maus." Nein musst du nicht, versuche ich ihr in meinem schönsten Gemecker zu erklären. Aber Menschen sind einfach blöde, sie verstehen uns immer nicht richtig. So wackeln wir also in den Stall und ich muss eine Pediküre über mich ergehen lassen. Na wenigstens massiert mir die Bäuerin gleich noch mein Bein mit Pferdesalbe. Nun hat sie es wohl verstanden, dass es verstaucht sein muss. "Danke" knucker ich. Für den Stall finde ich es eigentlich noch viel zu früh. Irgendeinen Grund wird es schon haben, denke ich und in diesem Moment fährt ein großes Auto auf den Hof...

Ziegenverkauf Teil 2



... Zwei Menschen steigen aus dem Auto und die Bäuerin begrüßt sie herzlich. Dann kommen sie zu uns in den Stall. Alle werden wir getätschelt und begutachtet. Oh Gott, ich ahne es, das sind Ziegenkäufer...

Ich humpel auffällig durch den Stall und lege mich stöhnend in eine Ecke. Mich nimmt schon mal keiner mit!

Es dauert eine ganze Weile, immer wieder reden sie über uns. Wer wie viel Milch gibt, warum einige von uns keine Hörner haben und ob wir uns trotzdem alle vertragen, was wir so fressen und wie viel, wie oft uns die Klauen geschnitten werden und und und. Irgendwann gehen sie. Wollen sich noch die Lämmer ansehen. Na Glückwunsch. Diese Nervensägen, klein, quirlig, unentschlossen und voller Tatendrang mit einer durchdringenden zum Sterben lauten Stimme. Mir reicht das immer schon, wenn die Elsen neuerdings mit uns gemeinsam auf die Weide gehen. Sie sollen lernen, wie man sich benimmt, den Stromzaun respektiert, das Gras und die Kräuter frisst und man NICHT schreiend am Zaun steht... und noch so einige Dinge... Davon vielleicht mal später.

Es dauert eine ganze Weile, mir viel zu lange, denn ich möchte jetzt mal meine Milch los werden, da kommen sie alle wieder aus Richtung Lämmerstall. Elvira und Edda haben ein neues, schmuckes, buntes Halsband um und laufen fröhlich hüpfend und natürlich laut krajolend neben den Menschen. Sie werden in das fremde große Auto gehoben. Da steht eine große Box mit Heu, Klappe zu, Händeschütteln, noch mal großes Geschnatter: "Ja, wir melden uns, wenn wir angekommen sind. Es wird den beiden gut gehen..." Abfahrt

RUHE

Danach kommt die Bäuerin zu uns in den Stall. Na endlich, wird ja auch Zeit. Ich möchte nun mal langsam auf den Melkstand, um dann später genüsslich in dem frischen Stroh zu träumen. Beim Melken erfahre ich noch, dass Edda und Elvira auf einen Hof ziehen, wo noch sieben Pferde, drei Esel und vier Ziegen leben. Hört sich doch ganz gut an.

Die Bäuerin ist traurig, wie jedesmal, wenn einer von uns den Hof verlässt.

Dumbledore


"Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore der mächtigste Zauberer der Gegenwart" ...geboren am 10.11.2008...

Es war einer dieser grauen Novembertage. Schon seit Wochen machte sich das diesige, trübe, nasskalte Wetter breit. An jenem Montag war es zudem auch noch fürchterlich stürmisch. Der Regen peitschte über die Weide, die Sonne war hinter den dicken dunklen Wolken vergraben. Man konnte noch nicht einmal ahnen, an welcher Stelle sie sich befinden könnte. An diesem so grauen Tag also wurde ich geboren.

Es machte platsch, die warme Hülle um mich herum riss auf und das erste Mal konnte ich meine Beine ausstrecken. Doch schon, ich hatte noch nicht einmal die Augen auf, rubbelte ein großer rauer Lappen auf mir herum, erst die Nase, dann die Augen, den ganzen Kopf, meinen Körper, überall war dieser Lappen. Dann hörte ich ein sympathisches leises "Muh". Langsam hob ich meinen Kopf. Etwas riesiges schwarzes stand vor mir, hatte diesen rauen Lappen, mit dem ich immer und immer wieder abgerubbelt wurde. Dazu das so warm klingende "Muh". Ich liebte diesen beruhigenden Ton. Ich betrachtete meine Umgebung ganz genau. Der so herzliche Muhton kam aus dem schwarzen Riesen mit dem rauen Lappen. Ich hatte ihn lieb, diesen schwarzen Riesen. Doch dann fing er an mich anzustubben. Immer wieder schubste es mich und machte dazu liebevoll "Muh". Ok, ich sollte aufstehen, hatte ich begriffen, aber wie? Noch nie in meinem Leben hatte ich auf eigenen Füßen gestanden und dann auch noch auf vier. Ich wollte es probieren und bei meinen ersten wackeligen Versuchen stürzte ich kopfüber, überschlug mich und fiel der Länge nach hin. So ein Mist, wie sollte ich das schaffen? Doch schon bei meinem dritten Anlauf stand ich, zwar noch wackelig, aber ich stand.

Aber dann, oh weh, der raue Lappen. Nein, nicht jetzt, bitte nicht jetzt. Zu spät, schon lag ich wieder im Stroh und der raue Lappen schlabberte an mir herum. Was soll das? Dann wieder wurde ich angeschubst und mit "Muh" gebeten, doch endlich aufzustehen. Es gelang mir dann auch irgendwie und ich stand, viel besser als beim ersten Mal. Nun bewegte sich dieser schwarze Riese, ging vor mir einen Bogen und da sah ich es... Ich konnte es nicht glauben, da wollte ich hin. Es sah warm und weich aus, es roch so verführerisch. Ich wollte es haben. Dazu musste ich gehen, ich setzte vorsichtig einen Fuß vor und zog einen weiteren nach. Dreck, das war wohl der Verkehrte, ich lag wieder im Stroh. Ok, noch einmal, und siehe da viel leichter, ich stand wieder und koordinierte alle meine Füße und kam sogar voran. Das Objekt meiner Begierde war gar nicht mehr weit entfernt, noch zwei Schritte, ja. Ich war am Ziel meiner Träume, das Euter. Warme leckere Milch floss in meinen Mund und ich war glücklich. Inzwischen hatte mir der Riese erzählt, dass er meine Mutter ist. Prima! Doch nein, dann legte sich Mama hin und ich kam nicht mehr an das Euter, Frechheit. Doch, was ich nun zu sehen bekam, ich traute meinen Augen nicht...

...Ich war noch keine halbe Stunde alt, hatte gerade meine Mutter kennen gelernt, das erste Mal diese köstliche Milch aus dem Euter getrunken und nun lag da noch so ein schwarzes Exemplar im Stroh, etwas kleiner als ich, aber Mama bearbeitet ihn nun genauso wie mich vorhin mit ihrem rauen Lappen. Zum Glück stand sie gleich wieder auf und ich machte mich auf den Weg zum Euter, herrlich. Irgendwann legte ich mich in eine Ecke ins Stroh, mein Bauch war voll und ich hatte das große Verlangen ein wenig zu schlafen. Beim Einschlafen hörte ich immer wieder das so zarte Muh. Mein Bruder machte nun seine ersten Versuche aufzustehen, um dann später die Milchbar zu finden. Ich war viel zu müde und schlief ein. Immer, wenn ich aufwachte, machte ich mich auf den Weg zum Euter. Mit meinem Bruder hatte ich mich arrangiert. Wir hatten uns die Milchbar aufgeteilt, es war genug da. Nach einer Woche gingen wir dann mit Mama das erste Mal auf die Weide. Meine Tage waren voll vom "ersten Mal". Ich lernte alle meine Geschwister, Tanten, Cousinen und Cousins kennen.

Mein Vater, so hörte ich mal Mama und Tante Blessy reden, arbeitet als Model in Australien. Ich hatte eine schöne Zeit in Kollendorf. Doch irgendwann kam er, der Tag der Tage. Ich zog aus. Kurz vor meinem zweiten Geburtstag hatten die Zweibeiner für mich ein neues Zuhause ausgesucht. Ich war traurig, Abschied nehmen von Mama und Tante Blessy... von meiner gewohnten Umgebung.

Und mal wieder, zum ersten Mal in meinem Leben, ging ich auf den Anhänger mit dem mulmigen Gefühl, nicht zu wissen, was mich nun erwartet. Das Auto hielt, der Anhänger ging auf, und all meine Erwartungen wurden übertroffen. Ich sah einen großen Offenstall, dahinter eine große Weide und viele freundliche Welsh Black Augen begrüßten mich. Hier war es auch schön. Meine neue Bäuerin duschte und kämmte mich regelmäßig, brachte mir bei, wie man ordentlich an einem Strick geht, dass ich immer brav den Kopf oben halte, wenn ich mich präsentiere und... was soll ich euch sagen...

In diesem Sommer war ich dann in Tarmstedt und bin dort Reservesieger der Welsh Black Bullen geworden. Papa ist bestimmt stolz auf mich. Das hat er sich sicher gewünscht, sein Sohn ein Model in Deutschland.

Gerade bin ich im Urlaub. Vielleicht hat mich der ein oder andere schon gesehen oder gehört. Ich bin wieder da...

...in Kollendorf....auf meiner alten Weide. Es ist schön mal alle wiederzusehen, Mama, Tante Blessy und all die anderen. Wir haben uns viel zu erzählen. Sie sind alle ganz neugierig auf meine Geschichten. Ich werde ein paar Wochen bleiben, zum Ausspannen. Doch dann zieht es mich wieder zurück, denn vor mir liegt noch eine große Karriere als Model und dafür möchte ich weiter trainieren. Im nächsten Jahr komme ich dann wieder für ein paar Wochen vorbei, denn hier begann er schließlich, mein großer Zauber vom Leben eines Welsh Black Bullen.

...Dumbledore der mächtigste Zauberer der Gegenwart...

Vielleicht gibt es ja bald wieder eine Geschichte.